FESTIVAL EXPANDED - PALÄSTINA-PROGRAMM
PALESTINE: VOICES FOR JUSTICE & PEACE
Das Arabische Filmfestival zieht wieder durch THE LÄND, mit palästinensischen
Filmen im Gepäck.
Im Programm in Tübingen:
AMERICAN DOCTOR
Ein Dokumentarfilm von Po Si Teng
Drei Ärzte mit völlig unterschiedlichen
Hintergründen
und Persönlichkeiten begegnen sich in diesem bewegenden Film über
den Krieg in Gaza. Es verbindet sie ihr gemeinsamer Eid, Leben zu retten.
Dr. Thaer Ahmad ist maßvoll und strategisch, Dr. Mark Perlmutter
ist unverblümt und trägt sein Herz auf dem Ärmel, und
Dr. Feroze Sidhwa ist medienaffin und produktiv. In einem Wettlauf gegen
die Zeit begleitet Regisseurin Poh Si Teng die Bemühungen der drei Ärzte
in einem Krankenhaus in Gaza, so viele Leben wie möglich zu retten.
Gemeinsam kämpfen sie darum, ein Versprechen gegenüber ihren
palästinensischen Kollegen und Patienten einzuhalten, den Kampf
dort fortzusetzen, wo es am wichtigsten ist: in den Vereinigten Staaten.
American Doctor, der neue Film der US-amerikanischen oscar-nominierten
Filmemacherin und Emmy-Preisträgerin Po Si Teng feierte seine Weltpremiere
2026 im Wettbewerb des Sundance Film Festival und lief anschließend
erfolgreich u.a. in Thessaloniki, CPH:DOX in Kopenhagen und HotDocs in
Toronto.
USA, Palästina, Malaysia, Katar, DK 2026, 93 Min., Originalfassung (Englisch, Arabisch) mit engl. Untertiteln
Freitag, 23.10.2026, 19.45 Uhr, Kupferbau HS 24
WHO IS STILL ALIVE | QUI VIT ENCORE
Ein Dokumentarfilm von Nicolas Wadimoff
Eine Karte von Gaza, seinen Städten,
Lagern und Quartieren. Weiße
Farbe auf schwarzem Boden. In den notdürftig gezeichneten Umrissen
erzählen neun Flüchtlinge von der Hölle, der sie entkommen
konnten, von ihrem früheren Leben und den Verlust von geliebten
Menschen. Durch das Teilen ihrer Geschichten versuchen die Protagonist*innen,
wieder Zugang zu sich selbst zu gewinnen und aufzuhören, nur wie
Geister zu existieren.
„Was die Überlebenden von Gaza durchgemacht haben, lässt sich
nicht in Worten fassen. Manchmal sagen Gesten, das Atmen und Schweigen mehr.
Unsere Worte scheinen angesichts dieser systematischen Zerstörung machtlos.
Es geht nicht um politische Lager, sondern darum, die Geschichten eines Volkes
zu erzählen, das schon oft entmenschlicht wurde. Zuhören, beobachten,
fühlen – geschundene Körper, verwundete Seelen, zerstörte
Hoffnung. Der Film verbindet wie über eine Brücke das Intime mit dem
Kollektiven. Er ist ein Aufruf, gemeinsam das Undenkbare zu denken, Menschlichkeit
zurückzugewinnen, damit Leben bleibt – dort und hier.“ Nicolas
Wadimoff
Der Film des Schweizers Nicolas Wadimoff feierte seine Weltpremiere 2025 in Venedig
und gewann den Cinema & Arts Award . Er lief weltweit erfolgreich u.a.
bei den Solothurner Filmtagen, Los Angeles und Zürich.
Who Is Still Alive vertritt die Schweiz im Rennen um einen Oscar 2027.
Schweiz, Palästina 2025, 113 Min., Originalfassung (Arabisch) mit dt. Untertiteln
Freitag, 13.11.2026, 18 Uhr, Kupferbau HS 24
TODOS SOMOS GAZA | BORN IN GAZA: WE ARE STILL HERE
Ein Dokumentarfilm
von Hernán Zin
Im Jahr 2014 filmte der argentinisch-spanische Kriegsreporter,
Schriftsteller und Regisseur Hernán Zin eine Gruppe von Jungen
und Mädchen
mitten im Krieg in Gaza für seinen Fim Nacido en Gaza, einem der
weltweit meistgesehenen Dokumentarfilme auf Netflix im Jahr 2023. Damals
machten sie sich auf den Weg, um sie wiederzufinden: um herauszufinden,
wer überlebt hat, wie sie leben und was aus ihren Träumen
geworden ist, eine authentische, schonungslose und bewegende Suche
durch Kriegszerstörung und Trümmer.
Todos somos Gaza ist
eine zutiefst menschliche Reise, eine Hommage an die unterbrochene
Kindheit und ein filmisches Dokument der Zerstörungswut der israelischen
Armee. Dank eines mutigen Teams palästinensischer Filmemacher
entsteht ein historisches Dokument über den Völkermord, gesehen
mit den Augen der Jungen und Mädchen, die inzwischen erwachsen
sind.
Nach einer weltweiten Festivaltournee und einer Nominierung als Bester
Dokumentarfilm bei den Goya-Preisen 2026 kommt Todos somos Gaza im September
2026 in die spanischen Kinos.
Palästina, Spanien 2026, 107 Min., Originalfassung (Arabisch) mit engl. Untertiteln
Freitag, 06.11.2026, 18 Uhr, Kupferbau HS 24
THE CLOWN OF GAZA
Ein Dokumentarfilm von Abdulrahman Sabbah
Der Film portraitiert den Künstler Alaa Meqdad. Die Bombenangriffe
auf Gaza-Stadt haben ihn und seine Familie in ein Zeltlager getrieben.
Mit außergewöhnlichem Optimismus versucht er das Leben im
Hier und Jetzt zu genießen und es für andere erträglicher
zu machen. Zusammen mit seinem Partner tritt er als Clown Aloosh für
Kinder in Krankenhäusern und auf der Straße auf. Ihre Witze,
Lieder und ihre grenzenlose Energie lassen die schreckliche Realität
für einen Moment in den Hintergrund treten. Eine Rückkehr Alaas
und seiner Familie in ihre Heimat – oder das, was davon übrig
geblieben ist – rückt in greifbare Nähe, als die Nachricht
eintrifft, dass die Straßen nach Gaza-Stadt wieder geöffnet
sind.
Abdulrahman Sabbahs erster abendfüllender Dokumentarfilm ist eine
Hommage an Menschlichkeit, Liebe und Widerstandskraft in finsteren Zeiten.
Palästina, Frankreich, Katar 2025, 61 Min., Originalfassung (Arabisch)
mit engl. Untertiteln
Sa 10.10.2026, 12.45 Uhr, Kino Atelier Tübingen
HABIBI HUSSEIN
Ein Dokumentarfilm von Alex Bakri
Habibi Hussein verfolgt die Geschichte eines wiedergewonnenen Kinos und
ist eine Hommage an Hussein Darbi, den ehemaligen Filmvorführer.
Der einzige Kinosaal in Jenin (Westbank) war 20 Jahre lang geschlossen.
Die Nichtregierungsorganisation Cinema Jenin, die größtenteils
vom Tübinger Regisseur Marcus Vetter ins Leben gerufen wurde - der
diese Initiative selbst einst in dem Dokumentarfilm „Cinema Jenin
- Die Geschichte eines Traums“ (2012) gewürdigt hatte -, ermöglichte
den mühsamen Wiederaufbau. Hussein Darbi bringt dabei mehr als 40
Jahre Erfahrung und seine Kontakte ein, um einen Kohlebogenprojektor
wieder zum Laufen zu bringen, und besteht darauf, seinen Platz im Kinobetrieb
zurückzuerlangen. Mit seinem Wissen und einem alten Werkzeugkasten
stellt er sich der modernen Technologie und ausländischen Ingenieuren.
Der Film beleuchtet die Komplexität der „Entwicklungszusammenarbeit“ und
zollt einer sterbenden Filmkultur Tribut.
Ausgehend von Aufnahmen, die der Filmemacher Alex Bakri während
seiner Arbeit an dem von NGOs unterstützten Projekt gedreht hat,
bietet der Film eine alternative Perspektive auf eine bereits erzählte
Geschichte. Habib Hussein wurde 2025 in Busan uraufgeführt und lief
auf den Filmfestivals Rotterdam und Cairo.
Palästina, Deutschland, Saudi Arabien, Schweden 2025, 95 Min., Originalfassung (Arabisch, Englisch, Deutsch) mit engl. Untertiteln
Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben
CHRONICLES FROM THE SIEGE
Ein Spielfilm von Abdallah Alkhatib
Als ihre Stadt belagert wird, verlieren die Bewohner den Boden unter
den Füßen. Jeder und jede von ihnen muss schwierige Entscheidungen
treffen, um im Kriegsgebiet überhaupt überleben zu können.
Gewissenskonflikte und alltägliche Sehnsüchte treten hervor.
Hunger, fehlende medizinische Versorgung, Scharfschützen und Bombenexplosionen:
Trotz allem müssen sie ihr Leben weiterleben, Freundschaft pflegen,
Liebe und Intimität erleben oder sich eine Zigarette wünschen.
Darf man Videokassetten geliebter Filme verbrennen, um sich zu wärmen?
Einen Kühlschrank für einen Zigarettenzug verhökern? Die
seelischen Folgen der Belagerung werden gekonnt vielschichtig, dramatisch,
aber auch mit viel Situationskomik dargestellt.
Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib zeigt in
seinem ersten Spielfilm, wie Menschen versuchen, in einer andauernden
aussichtslosen und lebensbedrohlichen Situationen ein möglichst
normales Leben zu führen. Mit seinem Dokumentarfilm Little Palestine (AFF 2021) über das palästinensische Yarmouk-Flüchtlingslager
in Syrien hat der 1989 in Damaskus geborene und inzwischen in Deutschland
lebende Alkhatib bereits diverse Preise gewonnen. Chronicles from
the Siege wurde im Februar 2026 auf der Berlinale uraufgeführt und mit
dem Preis für das beste Spielfilmdebüt ausgezeichnet.
Algerien, Palästina, Frankreich 2026, 98 Min., Originalfassung (Arabisch) mit engl. Untertiteln
Freitag, 16.10.2026, 19 Uhr, Kupferbau HS 24
Gast: Alex Bakri, Filmeditor
NAZA
Ein Dokumentarfilm von Yuval Abraham & Rachel Szor
NAZA ist das israelische Militärakronym für die erwartete
Zahl an zivilen Todesopfern bei einer Luftattacke - sogenannter „Kollateralschaden“ (Nezek
Agavi). Über drei Jahre hinweg sprachen die Regisseure Yuval Abraham
und Rachel Szor mit Angehörigen des israelischen Militärs und
der Geheimdienste. 24 israelische Geheimdienstoffiziere und Soldaten
kommen im Film anonymisiert zu Wort; ihre Stimmen und ihr Erscheinungsbild
wurden digital verfremdet. Ihre Aussagen bilden die Grundlage für
eine Untersuchung der militärischen Strukturen, Entscheidungsprozesse
und Technologien hinter Israels Kriegführung in Gaza.
Nach dem Oscar-Erfolg von NO OTHER LAND (Co-Regie mit Basel Adra und
Hamdan Ballal) kehren Abraham und Szor mit einem neuen, hochaktuellen
Dokumentarfilm zurück: NAZA, produziert von der Tageszeitung The
Guardian, blickt hinter die Kulissen der israelischen Kriegsführung
und beleuchtet kritisch die Zielpraxis und den Einsatz künstlicher
Intelligenz bei Militäreinsätzen im Gazastreifen.
NAZA feierte im September 2026 seine Weltpremiere im Wettbewerb von Venedig
und wurde dort mit 25-minütigen Standing Ovations aufgenommen. Er
wurde in Venedig mit dem Special Prize der Jury ausgezeichnet und erhielt
Ende September bei den Filmfestspielen von San Sebastián den Publikumspreis
als bester europäischer Film.
UK 2026, 80 Min., Originalfassung (Hebräisch, Englisch) mit deutschen Untertiteln | FSK 16
Donnerstag, 09.10.2026, 20 Uhr, Kino Museum Tübingen
ONE MORE SHOW | DAYEL 'ANNA 'ARD
Ein Dokumentarfilm von Ahmed Al Danaf & Mai Saad
Gaza 2024. Inmitten
der Verwüstung durch den Völkermord Israels
im Gazastreifen weigert sich eine Gruppe von Zirkusartisten, sich von
der Verzweiflung überwältigen zu lassen. Als ihr Trainingszentrum
im Norden zerstört und zwei ihrer Mitglieder getötet werden,
flüchtet die Zirkustruppe „Free Gaza Circus“ – mit
Youssef, Batout, Ismail, Mohamed und Just – in den Süden Gazas.
Der Film zeigt, wie sie ihre Kunst in einen Akt des friedlichen Widerstands
und der Hoffnung verwandeln. Während der Tod im Hintergrund schwebt
und die Drohnen am Himmel summen, tritt die Truppe für Kinder in
Notunterkünften und auf den Straßen auf und schenkt ihnen
Momente der Freude mitten in dunkelsten Zeiten.
Der mit dem Publikumspreis sowie dem Preis für die beste Regie des
Cairo International Film Festivals 2025 ausgezeichnete Film ist ein intimes
und visuell kraftvolles Dokument der Menschlichkeit. Unter extremsten
Bedingungen direkt vor Ort gefilmt, lenkt das Werk den Fokus weg von
den politischen Schlagzeilen, hin zu den Geschichten der unmittelbar
Betroffenen. Eine Hommage an die Kunst als Überlebensstrategie.
Palästina/Ägypten 2025, 72 Min., Originalfassung (Arabisch) mit engl. Untertiteln
Freitag, 23.10.2026, 18.15 Uhr, Kupferbau HS 24
CONCRETE LAND
Ein Dokumentarfilm von Asmahan Bkerat
Concrete Land gewährt einen intimen Einblick in das Leben einer
afro-palästinensischen Beduinenfamilie, die am Rande der jordanischen
Hauptstadt Amman lebt. Unter dem Druck der Urbanisierung, die ihr Weideland
rasant in ein Luxusviertel verwandelt, versucht die Familie verzweifelt,
an ihrer traditionellen Lebensweise festzuhalten. Angesichts von Vertreibung,
sozialer Verdrängung und überschattet von den traumatischen
Erinnerungen der Großmutter an Gaza sowie der Sorge um Verwandte
im aktuellen Krieg werden die Liebe, die Freiheit und die Widerstandskraft
dreier Generationen auf eine harte Probe gestellt.
Ein hochaktuelles, tief bewegendes und visuell starkes Porträt über
Tradition, Freiheit, soziale Verdrängung und den schmerzhaften Verlust
von Heimat im Würgegriff des Betons.
Der Film der palästinensisch-jordanischen Filmemacherin Asmahan
Bkerat feierte im August 2026 seine Weltpremiere beim Locarno Film Festival
(Semaine de la Critique).
Jordanien, Palästina 2026, 100 Min., Originalfassung (Arabisch)
mit engl. Untertiteln

