SPEZIAL: JÜDISCHES LEBEN IN DER ARABISCH-ISLAMISCHEN WELT - GESCHICHTE, KULTURELLES ERBE UND ZUKUNFTSPERSPEKTIVE

Eine Film- und Veranstaltungsreihe im Rahmen der Feierlichkeiten „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“
gefördert durch den Innovationsfonds Kunst des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Mit dieser Veranstaltungsreihe möchten wir uns dem Judentum aus verschiedenen Blickwinkeln nähern und das Publikum über das kulturelle Erbe, die Geschichte des Judentums in arabisch-islamischen Gesellschaften und über das jüdisch-muslimische Zusammenleben aufklären sowie zur Reflektion anregen. Das reichhaltige Programm mit Filmen, Konzerten, Vorträgen und Lesungen findet von Oktober bis Dezember 2021 statt und widmet sich der Erinnerungskultur, dem historischen Erbe und den Traditionen sowie den Lebenswelten von Jüdinnen und Juden in arabisch-islamischen Ländern.

In der Geschichte und Gegenwart des Judentums in der arabischen und islamischen Welt gibt es sowohl für Europäer*innen als auch für Menschen aus dem orientalischen Raum viel zu entdecken. Dynamische jüdische Gemeinden gab es zum Beispiel in Marokko, Tunesien, Ägypten, der Türkei und dem Iran. Das steigende Interesse am Erbe und dem historischen Beitrag des Judentums und der jüdischen Gemeinden zur Geschichte und Kultur der Regionen in Nahost und Nordafrika zeugt von der Wichtigkeit, jüdisches Leben als Bestandteil dortiger Gesellschaften zu begreifen. Einerseits entdecken Araber*innen zunehmend das jüdische Erbe ihrer Länder. Andererseits spüren die Nachkommen der aus arabisch-islamischen Ländern stammenden Jüdeninnen und Juden ihre eigenen Wurzeln auf und erkunden Erbe, Lebenswelten und Musik einer lange vernachlässigten Kultur, um sie mit neuen Ansätzen weiterzugeben. In der Kulturbranche erfolgt dies insbesondere im Film, in der Literatur und in der Musik.

       

       


FILMPROGRAMM NOVEMBER / DEZEMBER


BUKRA FIL MISHMISH | TOMORROW WHEN THE APRICOTS BLOOM
Ein Dokumentarfilm von Tal Michael

Nach dem Tod seiner außergewöhnlichen Onkel steigt eines Tages Didier Frenkel in den Keller des gemeinsamen Hauses in Frankreich hinab und findet einen Schatz: ein altes Trickfilmarchiv aus Ägypten mit Mish-Mish Effendi, dem arabischen Pendant zu Mickey Mouse. Die Gebrüder Frenkel, Animationskünstler in Ägypten, haben dieses überraschende Kapitel in ihrem Leben unter Verschluss gehalten. Didier beginnt mit der Restaurierung der Filme und enthüllt die Geschichte vom Aufstieg und Fall dieser Pioniere der arabischen Animation. Überraschenderweise lehnt Didiers Mutter das Projekt entschieden ab.

Israel, Frankreich 2019, 74 Min., Originalfassung (Arabisch, Französisch) mit engl. Untertiteln

Do 25.11.2021, 18:00 Uhr, Kino Arsenal Tübingen (Gast Didier Frenkel)


GOODBYE MOTHERS | WADAAN OUMMAHAT
Ein Spielfilm von Mohamed Ismail

Casablanca 1960. Die jüdische Gemeinde leidet unter der Wirtschaftskrise und sieht sich verstärkt mit Übergriffen konfrontiert. Der Film zeigt mehrere Familien, die sich entscheiden müssen, ob sie in Marokko bleiben oder dem Werben der zionistischen Gesandten nachgeben sollen, in den jungen Staat Israel auszuwandern. Das Drama basiert auf dem tragischen Untergang des Schiffes Egos im Jahre 1961, bei dem 44 jüdische Auswanderer auf ihrem Weg von Marokko nach Israel ertranken.

Marokko 2007, 115 Min., Originalfassung (Französisch, Arabisch) mit engl. Untertiteln

Sa 27.11.2021, 20.00 Uhr, d.a.i. (Karlstraße 3, Tübingen)


SAMARITAN
Ein Dokumentarfilm von Julien Menanteau

Die Samaritaner sind eine ungewöhnliche Minderheit im Nahen Osten. Mit ihrem eigenständigen religiösen Status in Israel sind die Samaritaner die weltweit einzigen Inhaber einer israelisch-palästinensischen Doppelstaatsbürgerschaft. Die Samaritergemeinde, die sich auf dem Berg Gerezim im Westjordanland und in unmittelbarer Nähe der Stadt Nablus befindet, zählt heute nur noch 780 Mitglieder und ist vom Aussterben bedroht. Julien Menanteau gelingt es mit seiner sanften und einfühlsamen Kamera, ein einzigartiges Volk und eine einzigartige Kultur einer Minderheit einzufangen, die durch ihre paradoxe Identität zerrissen ist und versucht, eine Brücke zwischen Israelis und Palästinensern zu schlagen.

Frankreich 2018, 52 Min., Originalfassung (Arabisch, Hebräisch, Englisch) mit engl. Untertiteln

Sa 27.11.2021, 17:30 Uhr, d.a.i. (Karlstraße 3, Tübingen)


LIBYA: THE LAST EXODUS | LIBIA, L’ULTIMO ESSODO
Ein Dokumentarfilm von Ruggero Gabbai

Ruggero Gabbai präsentiert in seiner Dokumentation ein bewegendes Porträt der blühenden jüdischen Gemeinde, die einst in Libyen ansässig war. Von der italienischen Kolonisierung Libyens über die Fremdherrschaft und das Zusammenleben mit der einheimischen arabischen Bevölkerung zeigt der Film das Leben der Juden, die jahrhundertelang im Land lebten, bis sie 1967 durch gewaltsame Unruhen gezwungen wurden, das Land zu verlassen und nie mehr zurückkehrten. Die Protagonisten des Films, die heute größtenteils in Italien und Israel leben, erinnern sich an ihr Leben in Libyen und bringen dabei tiefe und gemischte Gefühle zum Ausdruck: Melancholie, Traurigkeit, Sehnsucht.

Italien 2018, 65 Min., Originalfassung (Italienisch, Hebräisch) mit engl. Untertiteln

Sa 27.11.2021, 18.45 Uhr, d.a.i. (Karlstraße 3, Tübingen)


FORGET BAGHDAD: JEWS AND ARABS – THE IRAQI CONNECTION
Ein Dokumentarfilm von Samir

Jüdische Araber? Arabische Juden? Sephardim? Mizrahim? Samir erzählt von einer vergessenen Geschichte aus dem Nahen Osten: der Emigration irakischer Juden nach Israel. Erst seit wenigen Jahren findet in Israel eine Debatte statt: Orientalische Juden kritisieren ihre Instrumentalisierung durch die europäisch geprägte Gründergeneration Israels.
Samir, selbst Kind irakischer Einwanderer in die Schweiz, befragt fünf prominente arabische Juden irakischer Herkunft: Ella Shohat, Filmhistorikerin, Shimon Ballas, Professor für arabische Literatur und Bürgerrechtler, Sami Michael, Bestseller-Autor, Moshe Houri, Bauunternehmer, und Samir Naqash, preisgekrönter Autor unveröffentlichter arabischer Romane.
Ein historischer Essay, eine brisante Debatte und ein Grund zur Hoffnung.

Schweiz, Irak 2002, 111 Min., Originalfassung (Arabisch, Deutsch) mit dt. Untertiteln

Sa 18.12.2021, 18:00 Uhr, d.a.i. (Karlstraße 3, Tübingen)


VORTRÄGE


 


ISMA'ILS UND YITZHAQS NACHKOMMEN - ZUR GESCHICHTE EINER WECHSELVOLLEN BEZIEHUNG

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Schreiner, Judaistik/Institutum Judaicum der Universität Tübingen

Do 09.12.2021, 18:00 Uhr c.t,
Kupferbau, HS 21 (Hölderlinstraße 5, Tübingen)

 

JUDEN IN DER ISLAMISCHEN WELT. DISTANZ UND NÄHE

Vortrag von Prof. Dr. Omar Kamil, Universität Erfurt

Fr 26.11.2021, 18.00 Uhr c.t., Kupferbau, HS 21 (Hölderlinstraße 5, Tübingen)
Verschoben auf Januar / Februar 2022


KONZERT


ALA SHAWATY DIJLAH (ON THE BANKS OF THE TIGRIS): TRADITIONELLE IRAKISCHE MUSIK DER AL-KUWAITY-BRÜDER

Sa 18.12.2021, 20:30 Uhr, d.a.i. (Karlstraße 3, Tübingen)

Reservierung:
welcome@arabisches-filmfestival.de


FILMPROGRAMM OKTOBER


ZIYARA
Ein Dokumentarfilm von Simone Bitton

Der Film Ziyara ist eine kontemplative Spurensuche und Entdeckungsreise: Bis in die 1950er-Jahre lebten in Marokko mehr als 300.000 Jüdinnen und Juden, darunter die Familie der Filmemacherin Simone Bitton. Sie fährt quer durch das Land ihrer Eltern, besucht Friedhöfe, Überreste jüdischer Viertel und Synagogen und spricht mit Einheimischen, die das verlassene Erbe liebevoll pflegen, über die Beziehungen zwischen Juden und Muslimen.

Marokko, Frankreich, Belgien 2020, 99 Min., Originalfassung (Arabisch, Englisch, Tamazight, Französisch) mit engl. Untertiteln

Mi 13.10., 19.00 Uhr, Theater am Olgaeck Stuttgart
Do 14.10., 18.00 h, d.a.i. Tübingen


EL GUSTO
Ein Dokumentarfilm von Safinez Bousbia

Ein außergewöhnliches Band-Revival, eine Hommage auf religiöse Toleranz und eine Liebeserklärung an die traditionelle algerische Chaâbi-Musik : In ihrem preisgekrönten Debütfilm folgte Safinez Bousbia dem 73-jährigen Gitarristen Mustafa Tahmi durch die Gassen Algiers. Er erinnert sich an die Zeit, als jüdische und muslimische Musiker hier noch gemeinsam den Chaâbi - eine Mischung aus andalusischer, religiöser und Berbermusik - in den Cafés und Bars der Altstadt von Algier, zu Hochzeiten, Beerdigungen und Festen spielten. Durch die Wirren des Unabhängigkeitskrieges, des Bürgerkrieges und durch das Exil auseinandergerissen, kommt die Gruppe nach über 50 Jahren wieder zusammen. Und in einem fulminanten Konzert in Marseille zelebrieren sie nochmals ihre Leidenschaft – ihre gemeinsame Liebe zur Musik des Chaâbi.
El Gusto lief weltweit erfolgreich auf Filmfestivals und erhielt u.a. beim Abu Dhabi Filmfestival 2011 den Internationalen Preis der Filmkritiker (FIPRESCI) und den Preis für die beste arabische Regisseurin.

Algerien, Irland, VAE, Frankreich, 2011, 90 Min., Originalfassung (Arabisch, Französisch) mit engl. UT

Fr 08.10., 19.00 h, Linden-Museum Stuttgart
Di 12.10., 20.00 Uhr, Tübinger Musikschule


A SUMMER IN LA GOULETTE | HALK EL-WAD
Ein Spielfilm von Férid Boughedir

Im Sommer 1967 erleben drei junge Mädchen die erste Liebe in La Goulette, einem kleinen Küstenort in der Nähe von Tunis, in dem Muslime, Juden und Christen seit Jahrhunderten friedlich zusammen leben. Meriem ist Muslimin, Gigi ist Christin, Tina stammt aus einer Familie jüdischen Glaubens. In der Freundschaft der drei 16-jährigen tunesischen Mädchen spielt ihre Religionszugehörigkeit keine Rolle. Ihre Väter Youssef, Giuseppe und Jojo, pflegen ebenfalls eine lange Freundschaft. Die Mädchen, die keine von den Eltern arrangierte Ehe wollen, geloben einander, noch vor Ende des Sommers ihre Unschuld zu verlieren. Als die Väter erfahren, dass sich ihre Töchter mit jungen Männern aus anderen Glaubensrichtungen einlassen, wird die Freundschaft der drei Männer auf eine harte Probe gestellt. Ein komödiantisch akzentuierter Film um Toleranz und Verständigung über vermeintlich unüberwindbare religiöse Schranken hinweg.
Regsisseur Férid Boughedir inszenierte eine erfrischende Komödie über Toleranz und das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit. A Summer in la Goulette lief 1996 im Wettbewerb der Berlinale.

Tunesien, Frankreich, Belgien 1996, 89 Min., Originalfassung (Arabisch, Französisch) mit dt. Untertiteln

Fr 08.10., 20.00 Uhr, Theater am Olgaeck Stuttgart


JEWS OF EGYPT | AN YAHOUD MASR
Ein Dokumentarfilm von Amir Ramses

Wenn Elie, Gerard und Isabelle von Ägypten erzählen, bekommen sie leuchtende Augen. Ägypten war ihre Heimat – bis 1956, als die Suez-Krise die ägyptischen Juden in die Emigration zwang. Aus Landsleuten waren plötzlich Feinde geworden. In Archivaufnahmen und Zeitzeugenberichten erinnert der Film an die friedliche Koexistenz der Religionen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der jüdische Einfluss gerade in der Kunstszene und in der Geschäftswelt war damals groß.
Mit seinen ausführlichen Interviews mit vielen der Überlebenden, von denen die meisten damals noch Kinder waren, ist Jews of Egypt ein wichtiges historisches Dokument.

Ägypten 2012, 96 Min., Originalfassung (Arabisch) mit engl. Untertiteln

So 10.10., 15.30 h, d.a.i. Tübingen


 

JEWS OF EGYPT: THE END OF A JOURNEY
Ein Dokumentarfilm von Amir Ramses

Juden in Ägypten: End of a Journey befasst sich mit dem Leben der Nachkommen alter jüdischer Familien - insbesondere mit Magda Haroun, der Präsidentin der ägyptisch-jüdischen Gemeinde - die sich trotz der Demütigung und Verfolgung, der sie ausgesetzt waren, weigerten, ihr Land zu verlassen. Für sie ist das Heimatland der Ort, an dem ihre Vorfahren begraben sind.

Ägypten 2014, 56 Min., Originalfassung (Arabisch) mit engl. Untertiteln

So 10.10., ca. 17.00 h, d.a.i. Tübingen


THEY WERE PROMISED THE SEA
Ein Dokumentarfilm von Kathy Wazana

In den 1960er Jahren begann ein Exodus tausender Marokkaner *innen jüdischen Glaubens nach Israel, in der Annahme ihr Land sei ihnen gegenüber feindlich gestimmt. Filmemacherin Kathy Wazana, selbst Jüdin marokkanischer Abstammung, reist in die Heimat ihrer Vorfahren und findet ein Land vor, das dem Verlust jüdischen Lebens nachtrauert. Ihre „Feinde“ heißen sie herzlich willkommen und huldigen sie als Mitbürgerin und Marokkanerin. Der bewegende Film ist eine persönliche Geschichte und zugleich ein großartig gefilmtes, poetisches und musikalisches Essay über Verlust und Nostalgie, über Hoffnung und die Möglichkeit friedlicher religiöser Koexistenz.

Kanada, Marokko 2013, 72 Min., Originalfassung (Arabisch, Deutsch) mit engl. Untertiteln

So 10.10., 19.00 h, Linden-Museum Stuttgart


WHERE ARE YOU GOING MOSHE?
Ein Spielfilm von Hassan Benjelloun

Boujad, eine Kleinstadt im Atlas-Gebirge Marokkos, nicht lange nach der Unabhängigkeit des Landes 1956: Mit Hilfe von zionistischen Agenten plant der Rabbi des Ortes heimlich die Abreise seiner Gemeinde nach Israel. Den erstarkenden muslimisch-konservativen Kräften des Ortes kommt das sehr gelegen. Ist kein Nicht-Muslim mehr im Ort, muss laut Gesetz die einzige Bar schließen. Barbesitzer Mustafa (Kino-Veteran Abdelkader Lotfi) kämpft verzweifelt um den Erhalt seines Lebenswerkes und seiner Freunde. Sein Sohn Hassan hat daran ein besonderes Interesse, ist er doch in Rachel verliebt, die Tochter von Shlomo (Simon Elbaz), Uhrenmacher und Musiker des kleinen Ortes. Mit Hassans Hilfe kann Mustafa Shlomo als einzigen Juden zum Bleiben bewegen — die Bar ist vorerst gerettet.
Hauptdarsteller, Schauspieler und Musiker Simon Elbaz ist selbst in Boujad geboren und einer der wichtigsten Vertreter judeo-arabischer Musiktraditionen.

Marokko 2007, 90 Min., Originalfassung (Arabisch) mit dt. Untertiteln

Fr 08.10., 16.30 h, d.a.i. Tübingen


LITERATUR


LESUNGEN MIT DANIEL SPECK
Daniel Speck , geboren 1969 in München, ist ein deutscher Drehbuchautor und Schriftsteller mit tunesischen Wurzeln. In seinen Geschichten baut er Brücken zwischen den Kulturen. Durch seine Reisen und seine Recherchen trifft er Menschen, deren Schicksale ihn zu seinen Romanen inspirieren. Der Autor studierte Filmgeschichte in München und in Rom, wo er mehrere Jahre lebte. Er verfasste Drehbücher, für die er mit dem Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Sein Roman „Bella Germania“ wurde als Dreiteiler prominent verfilmt. Mit dem Bestseller „Piccola Sicilia“ führt Daniel Speck uns auf eine Reise ins Herz des Mittelmeers. Dieses vielstimmige Panorama der Kulturen erweitert er in seinem Familienroman „Jaffa Road“.

 


PICCOLA SICILIA

Daniel Speck verbindet in seinem Roman auf fesselnde und brillante Weise die verborgene Familiengeschichte dreier Generationen mit dem bunten Tunis der 1940er Jahre, in dem verschiedene Religionen und Kulturen zusammenleben.
Die Berliner Archäologin Nina macht sich in Sizilien auf die Suche nach ihrem als verschollen geltenden Großvater Moritz, der im Zweiten Weltkrieg mit den Nazis nach Tunesien einflog, aber nie zurückkehrte. Bei ihren Nachforschungen begegnet Nina der älteren Dame Joëlle, die behauptet, Moritz‘ Tochter zu sein. Sie erzählt Nina, wie Moritz 1942 als Soldat nach Tunis kam und im Grandhotel Majestic die schöne Jüdin Yasmina Sarfati und ihren Bruder - den Pianisten Victor- kennenlernte. Als die Nazis anfangen, die Juden Tunis‘ zusammenzurufen und auch Victor gefangennehmen, riskiert Moritz alles, um den Sarfatis zu helfen.
Das gefühlvolle Drama verbindet Krieg mit Liebe, Flucht mit Heimat, und Vergangenheit mit Gegenwart. Die farbenfrohe und lebendige Erzählung zwischen Deutschland, Sizilien und Tunesien bietet realitätstreue Eindrücke in die Kulturen und die Zeit des Zweiten Weltkriegs auf historischer und fiktiver Ebene.

Musikalische Begleitung: Mohamed Sellami (Oud) und Amira Sahbi (Gesang)

Die Lesung findet in Kooperation mit dem Verein der Tunesier in Stuttgart e.V. (VTS) und dem Linden-Museum statt.

Freitag, 15.10., 18:00 Uhr, Linden-Museum Stuttgart

Reservierung und Voranmeldung:
Tel. 0711 2022444
anmeldung@lindenmuseum.de


JAFFA ROAD

In der fesselnden Fortsetzung zu Daniel Specks Bestseller-Roman „Piccola Sicilia“ treffen in seinem neuen Familienroman „Jaffa Road“ die jüdische, die arabische und die deutsche Kultur 1948 in Haifa, Palästina auf lebendige Weise aufeinander. Es sind drei Familien, drei Generationen und drei Kulturen, die ein gemeinsames Schicksal teilen.
Die deutsche Archäologin Nina tritt in Palermo das Erbe ihres verstorbenen Großvaters Moritz an, den sie nie kennengelernt hat, und der einige Geheimnisse verbarg. Dort trifft sie ihre jüdische Tante Joëlle und einen fremden Mann – Elyas – aus Jaffa, Palästina, der behauptet, Moritz’ Sohn zu sein. Durch die Erzählungen von Joëlle und Elyas erfährt Nina nach und nach von den drei verschiedenen Leben, die ihr Großvater Moritz geführt hat: wie er von Tunis nach Haifa kam, wie er in der Jaffa Road mit seiner Frau Yasmina und seiner Tochter Joëlle eine neue Heimat fand. Während für Moritz‘ Familie ein neues Leben begann, verlor zeitgleich das palästinensische Mädchen Amal ihr Zuhause. Jedoch ahnen die beiden Familien bisher noch nicht, was sie alles verbindet.
Mit einem einmaligen und lebendigem Schreibstil und detaillierten Erklärungen nimmt Daniel Speck die Leser an die Hand und führt sie in eine ferne Welt mit verschiedenen Kulturen und Religionen in einer anderen Zeit. Fiktives mischt sich mit Historischem und durch wechselnde Perspektiven wird die Doppeldeutigkeit des Konflikts im Nahen Osten von allen Seiten beleuchtet und auf wunderbare authentische Weise in diesem Familienroman nachvollziehbar gemacht.

Musikalische Begleitung: Dehbia Abouaduo (Tabla), Isaac Smith (Oud) und Hamza Aldhufairi (Qanoun)

Freitag, 15.10., 20:30 Uhr, Pfleghofsaal Tübingen

Reservierung und Voranmeldung:
welcome@arabisches-filmfestival.de


KONZERT


YAEL BADASH UND THOMAS MOKED – SEPHARDISCHE MUSIK

Die jüdisch-spanische Vokal-Artistin Yael Badash, in siebter Generation Mitglied einer spanisch-jüdischen Familie, wurde in Israel geboren und ist Musikerin, Gründerin und Leadsängerin der Electro-Acoustic Folk Band “Baladino”. Sie hat sich in der Ladino-Tradition zu einer frischen und international anerkannten Stimme entwickelt. Durch ihre umfangreichen Auftritte in ganz Europa, Asien und Nordamerika öffnet sie die alten Melodien für moderne Ohren. Von der Chicago Tribune als “Unvergessliche, ausdrucksstarke Stimme, eine Virtuosin ihrer raren Kunst” bezeichnet, wurzelt ihr improvisatorischer Gesangsstil tief in ihrem eigenen multikulturellen Erbe mit Einflüssen westlicher, türkischer und nordafrikanischer Musik. Durch ihre Ausbildung in zeitgenössischem Theater überschreitet sie diese selten gesprochene Ladino-Sprache, die auf das 15. Jahrhundert zurückgeht, um die reiche Oralgeschichte zeitloser Lieder zu entdecken. Yael erhielt verschiedene Preise und Auszeichnungen, u.a. den ersten Preis beim internationalen “Festiladino”.
Moked ist Komponist, Multiinstrumentalist, Produzent und Arrangeur. Thomas Moked Blum, geboren in São-Paulo, Brasilien, aufgewachsen in Israel und seit 2012 in Berlin lebend, ist Gründungsmitglied und Arrangeur des internationalen mediterranen Folk-Ensembles "Baladino". Er ist ebenso ein international versierter Komponist für Theater und Kino und spielte schon in jungen Jahren in vielen verschiedenen Stilen, vom jungen Philharmonischen Orchester bis hin zu Jazz- und Rockbands. Moked beherrscht zahreiche Saiteninstrumente (Geige, Gitarre, Oud, Bouzouki, Saz, Mandoline u.a.m.). Er ist ein gefragter Musiker für alle Arten von Studiosessions und tourte mit vielen Künstlern in Europa, Nord- und Südamerika sowie in Asien.
Weitere Infos: yaelbadash.com, thomasmoked.com, baladino.com

Nachholtermin:
Montag, 8. November 2021, 19.30 Uhr
Pfleghofsaal, Tübingen

Reservierung und Voranmeldung:
welcome@arabisches-filmfestival.de